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CUTEC droht aufgelöst zu werden.

Stellungnahme und PM zur Evaluierung des CUTEC und Massnahmen durch das MWK

Der lang ersehnte Evaluationsbericht von CUTEC, EFZN und der Energieforschungskompetenz der TU Clausthal liegt nun vor.

In dem Bericht heisst es u.a. zum CUTEC:

Die Gutachtenden fanden das CUTEC-Institut in einer kritischen Situation vor: Zum einen hatte das Institut mit einem großen finanziellen Defizit zu kämpfen, zum anderen war das Arbeitsklima zwischen dem Geschäftsführer und vielen Beschäftigten stark belastet. Darüber hinaus analysierten die Gutachtenden zwei historisch gewachsene Probleme: Zum einen das ungünstige zahlenmäßige Verhältnis zwischen den wissenschaftlich Beschäftigten und den dauerhaft technisch bzw. administrativ Beschäftigen, zum anderen den Zielkonflikt zwischen dem Anspruch wissenschaftlicher Qualität und Sichtbarkeit sowie der Vorgabe einer wirtschaftlichen Betriebsweise.

Für die Bemühungen des CUTEC-Instituts, sich angesichts spezifischer und allgemeingesellschaftlicher Herausforderungen thematisch neu aufzustellen, zeigen die Gutachtenden Verständnis. Sie würdigen in diesem Zusammenhang den Mut und das Engagement des Geschäftsführers, erforderliche Umstrukturierungsmaßnahmen einzuleiten und unter anderem den Anteil promovierter Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen signifikant zu erhöhen.
Von der thematischen Neuausrichtung und den damit einhergehenden konkreten Umstrukturierungen des CUTEC-Instituts seit 2013 zeigten sich die Gutachtenden aus verschiedenen Gründen indes nicht überzeugt. Die Neueinrichtung der Abteilung Energiesystemanalyse (ESA) entspricht nach Ansicht der Gutachtenden zweifelsohne der wissenschaftlichen Kompetenz des Geschäftsführers, doch hat sich das CUTEC-Institut damit und mit einer vergleichs- weise sehr geringen Anzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Konkurrenz zu starken, etablierten und sehr sichtbaren Wettbewerbern anderer Forschungseinrichtungen und Universitäten begeben. Nach Ansicht der Gutachtenden verstärkte diese Neuausrichtung zudem durch die in diesem Bereich vorgenommenen Neueinstellungen die negative finanzielle Entwicklung. Des Weiteren wurden Abteilungen, die bislang zur wissenschaftlichen Sichtbarkeit des CUTEC-Instituts beigetragen und verlässlich überdurchschnittlich viele Drittmittel eingeworben hatten, zugunsten der neu eingerichteten Abteilung zurückgefahren.
Insgesamt betrachtet konnte die wissenschaftliche Qualität des CUTEC nicht überzeugen. Als entsprechend überschaubar wird die nationale Sichtbarkeit des Instituts eingeschätzt, für die ein weit zu geringer Anteil an promoviertem Personal mit eine der Ursachen ist. Der Ruf des CUTEC-Instituts resultiert nach Einschätzung der Gutachtenden im Wesentlichen aus der in vorhandenen Konstellation einmaligen anlagentechnischen Ausstattung. Aber auch hier ist es nach Ansicht der Gutachtenden der Geschäftsführung und der Abteilungsleitungen trotz intensiver Bemühungen nicht im erforderlichen Maße gelungen, als Auftragnehmer und Partner im Bereich Industrieforschung erfolgreich zu sein. Sichtbar wird dies auch im finanziellen Defizit. Als Hoffnungsträger mit großem Potential sehen die Gutachtenden die Abwasserverfahrenstechnik und das Metallrecycling, letzteres insbesondere auch wegen bereits erfolgreicher und vielversprechender Kooperationen mit der TU Clausthal.

Vorgeschlagen wird, das CUTEC-Institut in vier oder fünf eigenständige Abteilungen zu gliedern, für die jeweils ein Abteilungsleiter bzw. eine Abteilungsleiterin oder Direktor bzw. Direktorin verantwortlich ist, der bzw. die zugleich einen inhaltlich passenden Lehrstuhl bzw. eine Institutsleitung an der TU Clausthal, ggf. auch an einer anderen niedersächsischen Universität, innehat. Die in gemeinsamen Berufungsverfahren ausgewählten Personen sollten ein Direktorium bilden, das Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung trifft und ebenso den CUTEC-Aufsichtsgremien verantwortlich ist. Eine für begrenzte Zeit bestellte geschäftsführende Person, die aus den Reihen der Abteilungsleiter bzw. Abteilungsleiterinnen einvernehmlich gewählt wird, sollte die laufenden Geschäfte führen, das CUTEC-Institut nach außen ver- treten und zusammen mit einem administrativen Prokuristen für die ordnungsgemäße Geschäftsführung des Instituts verantwortlich sein. Die derzeitige Rechtsform einer GmbH muss nach Ansicht der Gutachtenden nicht notwendigerweise beibehalten werden, wenn sich die entworfene neue Governance-Struktur in einer anderen Rechtsform leichter realisieren lässt.

Laut Pressebericht des MWK klingt das allerdings anders. Hiernach soll das CUTEC in die TU Clausthal überführt werden. Die große Freude an dieser Feststellung kann ich indes überhaupt nicht teilen.

Die Interpretation des Ergebnisses lässt die Verantwortlichkeit des MWK und des Geschäftsführer für die letzten 3 Jahre völlig offen. Auch der Vorschlag des WKN, wie das CUTEC neu aufgestellt werden könnte, nämlich mit geschäftsführenden Personen aus den eigenen Reihen, wird gänzlich ignoriert. Dass Personalabbau und Umstrukturierung geradezu in die wirtschaftliche Notlage geführt hat wird durch „fehlendes wissenschaftliches Personal" erklärt. Hier möchte sich jemand aus der Affaire ziehen. Die Garantie für den Erhalt der Arbeitsplätze ist genau so viel wert, wie die beschwichtigen Versicherungen, dass es dem Institut gut gehe und man sich kümmere. Trotz reichhaltiger Informationen seit 2014 an die verantwortlichen Stellen im Ministerium für Wissenschaft und Kultur, dem Ministerpräsidenten sowie zahlreichen Nachfragen im Landtag ist scheinbar zu wenig gehandelt worden, gewollt oder ungewollt.

Noch ist es nicht zu spät, die richtige Entscheidung für das Institut, den Forschungsstandort und die Mitarbeiter zu treffen. Das muss das Ministerium nur machen.

http://www.efzn.de/fileadmin/Presse/Evaluation/WKN_Evaluation_CUTEC_EFZN_TUCL_161118.pdf

http://www.mwk.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/cutec-insitut-wird-in-die-tu-clausthal-ueberfuehrt-148793.html

Boris Peinemann, Vorsitzender FDP Oberharz
06.12.15