Kristall-Therme „Heißer Brocken“: Steckt die „Karre im Dreck“? - Interview zwischen Prof. Dr. Manfred J. Matschke und Peter Weiss

Nicht zum ersten Mal wird im Oberharz über die Kristall-Therme „Heißer Brocken“ in Altenau diskutiert, die offenbar gut läuft, in ihrer öffentlichen Darstellung jedoch als „arm“ dasteht, so dass die Pachtzahlungen herabgesetzt wurden. Andererseits weisen interne Gewinnverschiebungen darauf hin, dass die Steinhart-Gesellschaft alle Verpflichtungen erfüllen könnte. Die GZ lüftet einen Teil des Schleiers in einem Interview mit Wirtschaftsprofessor Dr. Manfred Jürgen Matschke, das GZ-Mitarbeiter Peter Weiss führte.

PW: Sie hatten einen längeren Mailwechsel mit Bürgermeister Wolfgang Mönkemeyer zum „Heißen Brocken“ in Altenau. Warum? Es scheint doch alles bestens zu laufen.

MJM: Ich habe ihm zwei Presseberichte über den „Bäderkönig“ Steinhart zukommen lassen und gemeint: „Eine Zusammenarbeit mit Steinhart wird nie langweilig.“ So entspann sich ein munterer Mailwechsel, in dem die Pachtzahlungen an die Kurbetriebsgesellschaft (KBG) in den Mittelpunkt gerieten.

PW: Gibt es denn damit Probleme?

MJM: Aus dem Geschäftsbericht der KBG 2013 ergibt sich, dass die Kristall „Heißer Brocken“ Altenau GmbH mit Sitz in Stein als Pächterin ihren ursprünglichen Zahlungspflichten nicht nachgekommen ist.

PW: Was bedeutet dies konkret?

MJM: Für die Jahre 2008 bis 2011 sind danach nur Pachtzahlungen in Höhe des Zinsanteils geleistet worden. Den Tilgungsanteil für 2007/2008 in Höhe von 200.000 € musste die KBG selber tragen. Für die nachfolgenden Jahre musste die KBG die Tilgung ganz aussetzen. Es kam zu einer Umschuldung.

Ab 2012 leistet die Pächterin wieder einen Tilgungsanteil von 20.000 €. Das reicht hinten und vorne nicht, um das im Jahr 2023 fällige Darlehen bei der Sparkasse von 1,2 Millionen € zu tilgen, selbst wenn man die Beträge auf die hohe Kante legt.
Im Ergebnis zahlt der Steuerbürger im Oberharz die Tilgung dieser Schuld anstelle der Pächterin, oder es ist 2023 eine neue Millionenschuld aufzunehmen. So bleibt die neue Einheitsgemeinde dank KBG letztlich im Schuldturm gefangen.

PW: Gibt es Gründe für die Kürzung der Pachtzahlungen durch die Pächterin?

MJM: Wie es dazu gekommen ist, müssen Sie andere fragen. Aus dem Verhalten des „Bäderkönigs“ an anderen Orten, gibt es jedoch ein Verhaltensmuster: Er zahlt nicht vereinbarungsgemäß, es gibt einen oft öffentlich ausgefochtenen Streit zwischen den Beteiligten, letztendlich knickt die kommunale Seite ein, Steinharts Pflichten werden „einvernehmlich“ reduziert. Ich vermute, dass er die Aussetzung der ursprünglichen Tilgungspacht mit Anfangsverlusten der Kristall „Heißer Brocken“ Altenau GmbH begründet hat.

PW.: Gibt es Hinweise dafür, dass die Pächterin auf Dauer die Zahlung der ursprünglich vereinbarten Tilgung von jährlich 100.000 € wirtschaftlich nicht schultern kann?

MJM: Aus dem Geschäftsbericht 2013 der KBG ergibt sich, daß die Reduktion der Zahlungspflichten zeitlich nicht begrenzt worden ist. Im Unternehmensregister finden sich nur wenige Informationen zur Einschätzung der wirtschaftlichen Lage der Pächterin.

PW: Und was kann man aus dem Wenigen entnehmen?

MJM: Höchst Interessantes! In den Anfangsjahren 2006 bis 2009 gab es Jahresfehlbeträge von insgesamt 858.476,64 €.

PW.: Also gab es gute Gründe für die Kürzung der Pachtzahlungen?

MJM: Solche Anfangsverluste sind ganz normal, nichts Überraschendes und kein Grund für dauerhafte Kürzungen der Zahlungspflichten. Man wundert sich schon, was die Oberharzer Verantwortlichen dazu bewogen hat, dauerhafte Kürzungen zu akzeptieren. Ist es Blindheit, Unerfahrenheit, Großzügigkeit aus besonderer Nähe?

PW: Erleidet die Betreiberin immer noch Verluste mit dem „Heißen Brocken“ in Altenau?

MJM: Am 4.12.2010 hat die Kristall „Heißer Brocken“ Altenau GmbH mit ihrer Muttergesellschaft, der Kristall Bäder AG, einen Ergebnisabführungsvertrag abgeschlossen. Dies ist stets ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Phase der Anfangsverluste überwunden ist und dass es ab jetzt darum geht, die Überschüsse aus der Tochtergesellschaft möglichst informationslos abzuschöpfen.

PW: Was ist ein Ergebnisabführungsvertrag?

MJM: Ein Ergebnisabführungsvertrag (EAV) führt dazu, dass die Organgesellschaft, hier die Kristall „Heißer Brocken“ Altenau GmbH als Pächterin, ihren Jahresüberschuss, den sie ohne EAV ausgewiesen hätte, in voller Höhe an den Organträger, also ihre Gesellschafter, abführen muss. Sie verbucht einen Aufwand in gleicher Höhe und passiviert auf diese Weise eine kurzfristige Verbindlichkeit gegenüber den Gesellschaftern. Im Jahresabschluß weist sie danach ein ausgeglichenes Jahresergebnis aus.

PW: Gab es Ihrer Ansicht nach solche Ergebnisabführungen in den letzten Jahren?

MJM: Ja. Die Jahresergebnisse der Jahre 2010, 2011 und 2012 weisen jeweils einen „Jahresüberschuss/-fehlbetrag“ von 0 € aus, also ein ausgeglichenes Ergebnis. Zugleich ergibt sich aus den Erläuterungen der Verbindlichkeiten für diese Jahre, dass kurzfristige Verbindlichkeiten gegenüber den Gesellschaftern gebildet worden sind. In der Bilanz zum 31.12.2010 in Höhe von 985 T€, zum 31.12.2011 in Höhe von 678 T€ und zum 31.12.2012 in Höhe von 685 T€ - bei nur 100.000 € Stammkapital! In der Summe ergeben diese 2,348 Millionen € für die Jahre 2010 bis 2012. Ich zweifele nicht, daß in dieser Höhe Jahresüberschüsse abgeführt worden sind.

PW: Welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus für Sie? Sollte es bei der dauerhaften Reduktion der Pachtzahlungen bleiben?

MJM: Gründe für eine dauerhafte Reduktion der Pachtzahlungen sehe ich keine. Schlussfolgerungen müssen die politisch Verantwortlichen ziehen. Ich befürchte, dass die Karre im Dreck steckt. Denn von Revisionsklauseln bezogen auf die Pachtreduktion habe ich nichts gehört. Das Vertrags-Controlling durch die KBG scheint mir außerdem noch ausbaufähig zu sein.