Modell des Clausthaler Gang-Bergbaus, aufgnommen am 6. April 2016 im Foyer des Institutes für Bergbau.JPG

Öfter mal ins Oberharzer Bergwerksmuseum

von Olaf T. Franz

Es ist die Aufgabe von Museen bedeutsame und lehrreiche oder exemplarischer Gegenstände aufzubewahren, zu kategorisieren, zu erforschen und Teile davon auszustellen.
Vor 100 Jahren war allen Menschen des Oberharzes bewusst wie der Bergbau die Landschaft umgestaltete, wo er umging und welche Objekte er für die Nachwelt im Untergrund hinterließ. Wir Oberharzer lebten ja von diesem Bergbau. Die Gruben sicherten allen Oberharzern ein Auskommen.


Doch mit der Weltwirtschaftkrise, in der Folge des schwarzen Freitags vom 25. Oktober 1929, war diese Epoche in Altenau, Clausthal und Zellerfeld vorbei, der Bergbau wurde abgewickelt und seine Anlagen wurden zurückgebaut. In der Weltwirtschaftkrise schlossen die Preußag und die Bergstadt Clausthal einen Vertrag durch den die Stadt an das bergbauliche Gelände entlang der Altenauer Straße gelangte, aber gleichzeitig die (ehemaligen) Bergleute beschäftigen musste. Man könnte das als eine frühe Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) bezeichnen.
Natürlich war den damaligen Stadträten bewusst, dass die Bebaubarkeit der erworbenen Flächen stark eingeschränkt war. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die Städte Zellerfeld und Clausthal zusammenwuchsen, wurden diese Flächen zur Bebauung freigegeben. Leider war bis zu jener Zeit das Wissen um die bergbaulichen Altlasten im Rathaus verloren gegangen oder aufgrund objektiver Zwänge wurden Bedenken gegen eine Bebauung dieser Flächen beiseitegeschoben.
Heute, zu Beginn des neuen Jahrtausend, finden wir in diesem Bereich verschiedene Gewerbe vom Fensterbau bis Einzelhandel und alle wollen immer weiter expandieren.


Doch die bergbaulichen Altlasten, ehemalige Grubenbaue und schwermetallbelastete Böden sind noch immer dort.
Nachdem Aldi Nord seine Erweiterungspläne - auch wegen des Schachtes „Sophie 2 „ auf seinem Parkplatz - aufgab, finden wir heute in der Liste der Ratsvorlagen die Vorlage „Straße Am Ostbahnhof / Unterhaltungsarbeiten 2016 (125/2016). Sie sieht die Sanierung der Straße „Am Ostbahnhof“ vor, wofür 90 000 € eingeplant wurden. Ein Großteil dieses Geldes dient dem Bau einer temporären Straße über den ehemaligen ALDI-Parkplatz.
Wir erinnern uns, dort liegt der Schacht „Sophie 2“ der Grube Anna Eleonore, die bis 1930 förderte. Wenn wir dort eine temporäre Straße hinlegen, sind Schäden am Schacht nicht auszuschließen. Damit kann die Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld zum Zustandsstörer werden und später zur Behebung eines entstandenen Schadens herangezogen werden.


Die geplanten 90 000 € wären bei einer möglichen Schachtsanierung, im Zuge der Straßenreparatur, schnell aufgebraucht.
Deshalb sollte vor einer Ausschreibung der Arbeiten der Plan dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie zur Stellungnahme vorgelegt werden. Diese Behörde befindet sich ja in Rufweite unseres Rathauses.
Grundsätzlich sollten wir aber versuchen den Mitarbeitern der Stadtverwaltung die historischen, bergbaulichen Altlasten ins Gedächtnis zu rufen. Vielleicht genügt innerhalb des Ablaufplans von Bauvorlagen der Zwischenschritt der frühzeitigen Beteiligung des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie, vielleicht müssen die Bauplaner der Stadt zusätzlich alle Vierteljahre ins Niedersächsische Bergarchiv geschickt werden. Aber ganz sicher sollten wir dafür Sorge tragen das der Bau- Umwelt- und Feuerwehrausschuss (BUFA) mindestens einmal im Jahr im Oberharzer Bergwerksmuseum tagt.
Denn dort befindet sich nun das große, dreidimensionale Glasmodell der Gangerzlagerstätte unter dem Stadtgebiet mit allen Aufschlüssen (Strecken und Schächten), welches einst von den Markscheidern des Oberbergamtes geschaffen wurde und anlässlich eines runden Jubiläums der Bergakademie geschenkt wurde. In den letzten Jahrzehnten befand es sich im Foyer des Bergbauinstituts.


Der regelmäßige Anblick dieses Modells, am Rande einer Ausschusssitzung, wird den Stadträten das in Erinnerung rufen, was unseren Vorfahren immer bewusst war und so bei der Planung von Baumaßnahmen zur Vorsicht mahnen.