wuxu in Clausthal.JPGEine Gala zur Begrüßung des Wuxu

von Olaf T. Franz

Nun ist es also soweit, für die nächsten 12 Monate leben wir im Jahr des Wuxu und endlich kann es Frühling werden. Unsere chinesischen Mitbürger haben dieses Tier während des traditionellen Frühlingsfestes in der Mensa der TU Clausthal mit einer großen Gala begrüßt.

Was wurde da nicht alles für 5 €-Eintritt geboten: ein Essen aus dem Ju Bin Lou bei Jazz-Musik chinesischer Künstler; chinesischer Rap; eine Teezeremonie; Kampfkunst, die mit einem kaligraphischen Werk endete; eine Ticketlotterie, deren Hauptpreis ein Hin- und Rückflugticket nach China war; Wettbewerbe, bei denen die Busreisen in die Niederlande als Siegerpreis vergeben wurden; Popmusik einer malaysisch-chinesischen Band; chinesische Comedy und mehrere Gesangeinlagen.

Die Mensa war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, nicht nur mit Chinesen, sondern auch mit Studenten aus afrikanischen Ländern, Arabern, Südamerikanern und natürlich ein paar Deutschen.

Ursprünglich bestand der Plan dieses chinesische Frühlingsfest als Startschuss für das China-Kompetenzzentrum der TU Clausthal zu nutzen. Aber wegen der Schwierigkeiten bei der Bildung einer Bundesregierung besteht bei den Bundesministerien und deren nachgeordnete Behörden eine Haushaltssperre. Neue Projekte können deshalb nicht begonnen werden, nur der laufende Ministerien- und Behördenbetrieb wird gewährleistet.

Es besteht nun die berechtigte Hoffnung, dass die Ziele des China-Kompetenzzentrums:

  • Verbesserung der interkulturellen Kompetenz, durch eine Verbesserung des Allgemeinwissens über China, Steigerung des Interesses an China, an der chinesischen Wirtschaft, Politik und moderner, chinesischer Geschichte,

  • Sammlung persönlicher Chinaerfahrungen durch Zusammenarbeit in deutsch-chinesischen Arbeitsgruppen im Harz und durch Teilnahme an einem Austauschprogramm im Rahmen von gemeinsamen Studien- oder Forschungsprojekten,

  • Betreuung von wissenschaftlichen Nachwuchs durch chinesisch-deutsche Professorenteams, besetzt durch Professoren aus gleichen Fachbereichen in China und an der TUC. Hierbei wird insbesondere eine Erhöhung der Gastaufenthalte von Studierenden der TUC an chinesischen Partneruniversitäten angestrebt, um mittelfristig einen ausbalancierten chinesisch-deutschen Austausch zu erreichen. Neben Gastsemestern an chinesischen Universitäten kommen hierbei auch deutsch-chinesische Abschlussarbeiten in Betracht.

  • Aufbau eines deutschlandweiten Netzwerks auf Basis der chinesisch-deutschen Innovationsplattformen „Clean Energy“ und „Intelligent Manufacturing“, die von Forschungszentren der TUC koordiniert werden.

  • Aufbau intensiver und langfristiger Kooperationen zwischen der TUC und China,

ab dem nächsten Semester verfolgt werden können. Aber schon jetzt können sich Studenten der TU Clausthal für eine Summer School in der Sichuan University anmelden, um Auslandserfahrungen in der Millionenstadt Chengdu zu sammeln.

Durch die Intensivierung der Beziehungen mit China werden in Zukunft mehr Chinesen in den Harz kommen. Schon heute gehört die TU Clausthal aus chinesischer Sicht zu den Topuniversitäten, denn nicht nur der chinesische Forschungsminister hat hier seinen Doktorhut erworben, nein, auch der Vizepräsident der chinesischen Akademie der Ingenieurswissenschaften, einige Rektoren und viele Professoren chinesischer Universitäten sowie Top-Manager verschiedener chinesischer Unternehmen. Die Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld hat viele einflussreiche Freunde im Reich der Mitte und damit ein erhebliches Zukunftspotential für eine wirtschaftliche Prosperität.

Doch auch schon jetzt tragen diese chinesischen Gaststudenten sehr zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt bei, denn alle 600 Studenten benötigen eine Unterkunft und zahlen im Schnitt 250 € im Monat, also zusammen etwa 1,8 Millionen Euro Miete im Jahr. Alle chinesischen Gaststudenten sind mit ihrem Hauptwohnsitz in der Berg- und Universitätsstadt gemeldet, so dass die Bedarfszuwendungsgemeinde für diese Bewohner einen ordentlichen Landeszuschuss in das Stadtsäckel erhält. Alle chinesischen Studenten sorgen für Umsatz im clausthaler Einzelhandel, viele gehen regelmäßig in den Restaurants essen, nicht nur im Bao Haus Imbiss oder im Ju Bin Luo. Viele von ihnen lernen das Autofahren in einer unseren Fahrschulen. Manche promovieren hier und haben während dieser Zeit bereits Kinder, die in unsere Kindergärten und Grundschulen gehen. Einige bleiben nach dem Studium und helfen unseren Hidden Champions ihre Produkte in China zu vermarkten. Oft kommen Eltern der Studenten zu Besuch und bleiben ein paar Wochen. Sie erzählen in der Heimat von der Schönheit des Harzes, von der sauberen Luft, von den mächtigen Wäldern und den klaren Bächen.

Kurz gefasst: Alle Chinesen sind wichtig für die Berg- und Universitätsstadt, obwohl sie noch nicht einmal eine politische Vertretungsmöglichkeit im Rat der Stadt, ja noch nicht einmal ein kommunales Wahlrecht besitzen, weil sie nur unsere Gäste sind.

Wir sollten gemeinsam darüber nachdenken, wie wir unseren Gästen aus China und den anderen Staaten dieser Welt das Leben im Oberharz so angenehm wie möglich gestalten können, damit sie als unsere Freunde immer wiederkehren und als Botschafter des Oberharzes in ihren Heimatländern wirken.

Ein neugieriger Besuch der Gala zur Begrüßung des nächsten Tieres, im Februar 2019, könnte dabei der erste Schritt des aufeinander Zugehens sein.